Die Entstehung unserer Gemeinde in Deutschland

Bild: Anfänge der Gemeinde


Der Gemeindename

Die Bezeichnung "Christadelphian", wie sie unsere Glaubensgeschwister überall auf der Welt benutzen, ist von den griechischen Wörtern "Christos adelphoi" abgeleitet und bedeutet "Brüder und Schwestern Christi" (Ps 22,23; Joh 20,17; Hebr 2,12).


Der Gründer und sein Motiv

Der Gründer der Gemeinden war Dr. John Thomas, der, nachdem er in London das Diplom der Medizin erhalten hatte, im Jahre 1832 nach Amerika auswanderte. Auf seiner Schiffsreise dorthin erhob sich ein schrecklicher Sturm. Das Schiff drohte unterzugehen. Das brachte Thomas dazu, über seine Lage im Falle eines Schiffsuntergangs nachzudenken. Er fragte sich, wie wohl so manche Menschen in ähnlicher Situation: "Was passiert mit mir, wenn mein Leben jetzt zu Ende geht? Worauf hoffe ich?" - Er erkannte, dass es ihm nicht möglich war, eine vertrauenswürdige und zutreffende Antwort auf diese entscheidende Frage zu geben.

So beschloss er - sollte er je heil landen - die Heilige Schrift und religiöse Dinge überhaupt gründlich zu erforschen. Zu diesem Zweck schloss er sich einer Glaubensgemeinschaft an, die "Campbellites" genannt wurde. Bald jedoch erkannte er, dass ihn seine Forschungen in der Bibel zu Erkenntnissen führten, die nicht mit jenen der Campbellites zusammenpasste. Er fand, dass vieles, was sie lehrten und was von der Mehrheit anderer Kirchen gelehrt wurde, nicht mit Gottes Wort in der Bibel übereinstimmte. Er scheute sich nicht, diese biblisch-fundamentalistischen Erkenntnisse öffentlich bekannt zu machen. Damit erregte er jedoch großes Aufsehen in den Kirchen und wurde stark angefeindet. Damit stand er vor einer schwerwiegenden Entscheidung: Sollte er auf menschliche Lehre hören, oder auf Gottes Wort?


Die Entstehung der ersten Gemeinden

Weil er nicht aufhören wollte, die gefundene biblische Wahrheit zu verbreiten, wurde er von der Gemeinschaft der Campbellites ausgeschlossen. Da er aber von der Wichtigkeit der neu gefundenen Wahrheiten absolut überzeugt war, fing er an, sie öffentlich zu verkündigen. Auf diese Weise sammelte er eine Schar Menschen um sich, die seine Predigten anhörten und durch ihr eigenes Studium in der Heiligen Schrift erkannten, dass seine Verkündigung tatsächlich auf der Bibel basierte. So wurden in vielen Teilen Amerikas "Ecclesien" (Matth 16,18), das heißt, Versammlungen von Gläubigen gegründet.

Dr. Thomas besuchte im Jahre 1848 und später in den Jahren 1862 und 1869 England und Schottland und hielt viele Vorträge über seinen Glauben. Auch hier prüften viele seiner Zuhörer anhand der Bibel, ob seine Aussagen tatsächlich mit Gottes Wort übereinstimmten. So entstanden auch hier ebenfalls zahlreiche Ecclesien (Gemeinden). In diese Gemeinden wurde man nach Bekundung seines bibelfundierten Glaubens durch die Taufe (vollständiges Untertauchen) "in den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden" (Apg 2,38) aufgenommen. Getauft wurde nur, wer im verantwortungsbewußten Alter ein authentisches Glaubensbekenntis aufgrund der in der Heiligen Schrift geoffenbarten Lehre vom Reich Gottes und vom errettenden Namen Jesu Christi (Apg 8,12) ablegen konnte.

Jene Gläubigen kamen am "ersten Tag der Woche" (Apg 20,7) zusammen, um nach Christi Gebot "zu seinem Gedächtnis das Brot zu brechen" (Matth 26,26-29; 1.Kor 11,23-26) und öffentlich die Wahrheit zu verkündigen, die sie glaubten.

Wegen seiner Verkündigungsarbeit kann zwar Dr. Thomas als Gründer der Christadelphian-Gemeinde bezeichnet werden, aber er ist kein Religionsstifter! Er hat, wie einzelne Menschen und Gruppen immer wieder in den Jahrhunderten zuvor, den Inhalt des biblischen Wortes Gottes als einziges Fundament des christlichen Glaubens hervorgehoben und verkündigt (2.Joh 9). Er hat die durch griechisch-philosophisch-heidnische Denkweise verschüttete Wahrheit des Wortes Gottes wieder hervorgeholt und sie den Menschen unserer Zeit zur Kenntnis gegeben. Er selbst würde dies sicher demütig auf Gottes und Christi Wirken zurückführen (1.Kor 15,10).


Entstehung der Gemeinden in Deutschland

Nach Deutschland kam die Lehre der Christadelphians dank Bruder Albert Maier, der um 1890 nach Amerika ging, um dort zu arbeiten. Während seines etwa zehnjärigen Aufenthalts machte er vielerlei Bekanntschaften, darunter auch die einiger Christadelphians. Die Ansichten der Christadelphians und ihr Vertrauen auf die Bibel als einzig verlässliche Quelle des Glaubens überzeugten ihn so sehr, dass er sich schließlich taufen lies. Nach Ablauf der zehn Jahre zog er mit seiner neuen Glaubensüberzeugung zurück nach Deutschland und begann von seinen Erkenntnissen zu berichten. Es dauerte einige Jahre, doch letztendlich trug seine Verkündigung Früchte und die erste Gemeinde in Deutschland war gegründet.